„Im Altbau lohnt sich keine Wärmepumpe“ – das hört man oft. Messungen in echten Bestandsgebäuden zeigen ein anderes Bild. Hier erfahren Sie, worauf es wirklich ankommt und wie Sie selbst prüfen, ob Ihr Haus geeignet ist.
Kurz gesagt
- In den meisten Altbauten funktioniert eine Wärmepumpe. Ein Feldtest des Fraunhofer ISE in Häusern der Baujahre 1826 bis 2001 fand keinen Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz.
- Entscheidend ist die Vorlauftemperatur: Kommt Ihr Haus möglichst das ganze Jahr mit weniger als 55 °C aus, ist es in der Regel gut geeignet.
- Eine Fußbodenheizung ist nicht nötig. Oft reicht es, einzelne zu kleine Heizkörper zu tauschen.
- Mit dem 55-Grad-Test an einem kalten Tag bekommen Sie selbst eine erste Einschätzung.
Was zeigen Messungen in echten Altbauten?
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) hat im Projekt „WP-QS im Bestand“ 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern im Alltag vermessen, 61 davon Luft/Wasser- und 16 Erdwärmepumpen. Die Häuser wurden zwischen 1826 und 2001 gebaut. Ergebnis: Luft/Wasser-Wärmepumpen erreichten eine durchschnittliche Jahresarbeitszahl von 3,4, Erdwärmepumpen von 4,3.
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) gibt an, wie viel Wärme eine Wärmepumpe über ein ganzes Jahr aus einer Kilowattstunde Strom erzeugt. Eine JAZ von 3,4 heißt: Aus 1 kWh Strom werden im Mittel 3,4 kWh Wärme. Der Rest kommt aus der Umgebungsluft oder dem Erdreich.
| Feldtest des Fraunhofer ISE | Laufzeit | Luft/Wasser (Mittel) | Erdreich (Mittel) |
|---|---|---|---|
| WP im Bestand | 2006–2009 | 2,6 | 3,3 |
| WPsmart im Bestand | 2014–2019 | 3,1 | 4,1 |
| WP-QS im Bestand | 2019–2024 | 3,4 | 4,3 |
Die Technik hat also deutlich aufgeholt. Im aktuellen Feldtest kam die schwächste Luft-Wärmepumpe auf eine JAZ von 2,6, die beste auf 4,9. Die CO₂-Emissionen der Wärmepumpen lagen 2024 nach Auswertung des ISE um 64 % unter denen von Erdgasheizungen.
Zwei Befunde sind für Altbau-Besitzer besonders wichtig: Ausschlaggebend für die Effizienz war nicht das Baujahr, sondern die nötige Betriebstemperatur. Und ausreichend große Heizkörper ließen sich im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen betreiben wie Fußbodenheizungen.

Worauf es ankommt: die Vorlauftemperatur
Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Heizwassers, das zu den Heizkörpern fließt. Je niedriger sie sein darf, desto weniger muss die Wärmepumpe die Umweltwärme „hochpumpen“ und desto weniger Strom braucht sie. Nach Angaben der Verbraucherzentrale steigt die Effizienz um etwa 3 bis 4 % mit jedem Grad, um das die Vorlauftemperatur sinkt.
Als Faustregel gilt: Bleibt die Vorlauftemperatur möglichst das ganze Jahr unter 55 °C, eignet sich ein Haus gut für eine Wärmepumpe. Höhere Temperaturen sind technisch möglich, kosten aber Effizienz und damit Geld.
Der 55-Grad-Test: So prüfen Sie Ihr Haus selbst
Ob Ihr Haus mit niedrigen Temperaturen auskommt, können Sie mit Ihrer bestehenden Öl- oder Gasheizung ausprobieren, sofern sich deren Vorlauftemperatur einstellen lässt:
- Warten Sie auf einen kalten Wintertag, ideal ist Frost von etwa −5 °C oder kälter.
- Begrenzen Sie die Vorlauftemperatur der Heizung auf 55 °C. Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie das von Ihrem Heizungsbauer einstellen.
- Öffnen Sie die Thermostatventile in allen Räumen so weit wie sonst auch, zum Beispiel auf Stufe 3.
- Beobachten Sie ein bis zwei Tage: Werden alle Räume ausreichend warm?
So deuten Sie das Ergebnis: Werden alle Räume warm, ist das ein gutes Zeichen. Bleibt ein einzelner Raum kühl, ist meist dessen Heizkörper zu klein. Dann genügt es oft, genau diesen Heizkörper zu tauschen. Werden mehrere Räume nicht warm, sollte ein Fachbetrieb genauer hinsehen.
Der Test ist eine erste Orientierung, keine Planung. Verbindlich sind die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 und der hydraulische Abgleich durch den Fachbetrieb.
Brauche ich eine Fußbodenheizung oder neue Heizkörper?
Eine Fußbodenheizung ist keine Voraussetzung. Entscheidend ist, dass die Heizflächen groß genug sind, um auch mit niedrigeren Temperaturen genug Wärme abzugeben. In vielen Altbauten sind die Heizkörper großzügig bemessen, vor allem wenn seit ihrem Einbau Fenster oder Dach erneuert wurden. Häufig müssen nur einzelne Heizkörper gegen größere oder Niedertemperatur-Heizkörper getauscht werden.
Wichtig ist außerdem der hydraulische Abgleich: Er sorgt dafür, dass jeder Heizkörper genau so viel Heizwasser bekommt, wie der Raum braucht. Er ist auch Voraussetzung für die KfW-Förderung.
Muss ich vorher dämmen?
Eine Komplettsanierung ist keine Voraussetzung. Jede Maßnahme, die den Wärmebedarf senkt, hilft aber doppelt: Die Wärmepumpe kommt mit niedrigeren Temperaturen aus und kann kleiner ausfallen. Oft lohnen sich vergleichsweise günstige Schritte wie die Dämmung der obersten Geschossdecke oder der Tausch einzelner alter Fenster.
Planen Sie Dämmmaßnahmen in den nächsten Jahren, sollte der Fachbetrieb das bei der Auslegung berücksichtigen. Der Fraunhofer-Feldtest hat gezeigt, dass viele Wärmepumpen im Verhältnis zum tatsächlichen Verbrauch zu groß ausgelegt waren. Das kostet beim Kauf Geld und im Betrieb Effizienz.
Was kostet eine Wärmepumpe im Altbau?
Die Kosten hängen stark vom Haus ab. Einen guten Anhaltspunkt gibt eine Auswertung der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: Sie hat zwischen Oktober 2024 und Mai 2025 160 Angebote für Luft/Wasser-Wärmepumpen in Einfamilienhäusern verglichen. Die Angebote lagen zwischen rund 20.000 € und mehr als 60.000 €, im Durchschnitt bei etwa 36.000 €.
Die große Spanne liegt nicht nur an den Häusern. Viele Angebote waren unvollständig, einzelne Posten unterschieden sich zwischen Anbietern um bis zum 20-Fachen. Achten Sie beim Vergleich darauf, dass diese Posten enthalten sind:
- Wärmepumpe und Montage einschließlich Lohnkosten
- Warmwasserbereitung und, falls nötig, Pufferspeicher
- Heizlastberechnung und hydraulischer Abgleich
- Fundament und Elektroinstallation
- Tausch einzelner Heizkörper, falls nötig
- Demontage und Entsorgung der alten Heizung
Was die Förderung davon übernimmt
Über die KfW werden je nach Situation 30 bis 80 % von höchstens 28.000 € förderfähigen Kosten (erste Wohneinheit) bezuschusst. Ein Beispiel: Wer als Selbstnutzer eine funktionierende Ölheizung ersetzt und keinen Einkommensbonus erhält, bekommt derzeit 30 % Grundförderung plus 16 % Klimageschwindigkeits-Bonus, also 46 % oder 12.880 €. Der Bonus sinkt ab dem 1. Februar 2027 schrittweise. Außerdem soll ab dem 1. Quartal 2027 die Grundförderung für Wärmepumpen von außerhalb der EU auf 15 % sinken. Wer früher beantragt, ist also im Vorteil. Alle Details stehen auf unserer Förderseite.
Was kostet der Betrieb im Vergleich?
Der Heizspiegel 2026 von co2online, Deutschem Mieterbund und Bauherren-Schutzbund rechnet für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 130 m² für das Jahr 2026 mit diesen Heizkosten:
| Heizung | Heizkosten 2026 (Prognose) |
|---|---|
| Wärmepumpe | 1.300 € |
| Erdgas | 1.930 € |
| Fernwärme | 2.055 € |
| Heizöl | 2.745 € |
Wie viel Strom Ihre Wärmepumpe braucht, lässt sich grob überschlagen: Wärmebedarf geteilt durch Jahresarbeitszahl. Ein Haus, das bisher rund 20.000 kWh Gas im Jahr verbraucht, benötigt bei einem angenommenen Kesselnutzungsgrad von 90 % etwa 18.000 kWh Wärme. Bei einer JAZ von 3,4 sind das knapp 5.300 kWh Strom. Spezielle Wärmepumpentarife und die reduzierten Netzentgelte für steuerbare Wärmepumpen senken den Preis je Kilowattstunde gegenüber normalem Haushaltsstrom.
Luft- oder Erdwärmepumpe?
Im Altbau wird meist eine Luft/Wasser-Wärmepumpe eingebaut: Sie ist günstiger und braucht keine Bohrung. Erdwärmepumpen arbeiten effizienter (im Fraunhofer-Feldtest im Mittel JAZ 4,3 statt 3,4), die Erschließung mit Erdsonden ist aber deutlich teurer und genehmigungspflichtig. Sie kann sich bei hohem Wärmebedarf und ausreichend Platz auf dem Grundstück lohnen.
Wann wird es schwierig?
Es gibt Häuser, in denen eine Wärmepumpe allein schwer wirtschaftlich zu betreiben ist:
- Das Haus braucht auch nach dem Tausch einzelner Heizkörper dauerhaft deutlich mehr als 55 °C, und eine Dämmung ist nicht geplant.
- Es gibt keinen Platz für das Außengerät, an dem die Lärmrichtwerte beim Nachbarn eingehalten werden.
- Bei Denkmalschutz wird kein passender Aufstellort genehmigt.
Dann lohnt es sich, Alternativen wie einen Fernwärmeanschluss zu prüfen oder den Einbau mit Sanierungsschritten zu kombinieren. Eine unabhängige Energieberatung hilft bei der Abwägung. In Hamburg ist sie über die Energielotsen kostenlos, mehr dazu unter Wärmepumpe in Hamburg.
In vier Schritten zur Entscheidung
- Vorlauftemperatur testen mit dem 55-Grad-Test an einem kalten Tag.
- Grob durchrechnen: Der Rechner auf unserer Startseite schätzt Einsparung und Förderung für Ihr Haus.
- Heizlast berechnen lassen und dabei die Heizkörper prüfen, durch einen Fachbetrieb.
- Mehrere vollständige Angebote vergleichen, zum Beispiel über unser Anfrageformular.